Fastenbrief 2021

Liebe Pfarrangehörigen, liebe Schwestern und Brüder in Christus, Liebe Freunde!

„Zeige uns, Herr, Deine Allmacht und Güte“ – das ist der Anfang eines der für mich am meisten bewegenden Hymnen und Lieder für die Fastenzeit (Gotteslob, Nr. 272). Mit genau diesem Vers will ich gleich zum Beginn der Heiligen Vierzig Tage Ihre Aufmerksamkeit für diese gnadenbringende Zeit wecken.

Unbegreiflich ist unser Gott, der Herr: Allmächtig und gewaltig – jedoch gütig und barmherzig zugleich. Wodurch zeigt Er Seine Macht? Indem Er Barmherzigkeit mit dem Reumütigen walten lässt. Dieses göttliche „Kontrastprogramm“ zu dem uns bekannten menschlichen Karussell von Gewalt und Rache sollte allerspätestens jetzt unser Interesse hin zum besseren Verständnis der Zeit bewegen, die uns nun geschenkt ist – der Fastenzeit. Das auf diesen Seiten folgende „Zusammenspiel“ von Überschrift und Inhalt, von Frage und Antwort, soll Ihnen als Impuls dienen für diese Gnadenzeit, Ihren Blick auf das Wesentliche schärfen und hier und dort vielleicht auch Ihr Wissen stärken.

Möge Gott, der Herr, die Stimmen unserer Seelen und unsere innigsten Bitten erhören, unsere Herzen zum Guten umkehren. Möge Er uns vergeben und uns lehren, selbst zu verzeihen und auf Ihn zu vertrauen. Möge Er Sein Reich des Friedens auf unserer Erde wachsen und walten lassen – damit wir auf immer „Werkzeuge Seiner Verheißung“ und Liebe werden können (s. Lied). Er, der Allmächtige und Gnadenwaltende Gott, stärke, behüte, beschütze und ☩ segne Sie alle und Ihre Familien für diese Zeit!

Ihr Pfarrvikar Dominik Syga, Waischenfeld, zur 2021

Titel-Abb.: Die in Nankendorf aus Sicht vom Dormannsberg – Februar 2021 – Quelle: Johannes Sebald

ist der Beginn der Fastenzeit. Was können wir uns darunter vorstellen?

Aschermittwoch markiert den Beginn der großen Fastenzeit der Kirche, der Heiligen Vierzig Fastentage vor Ostern. Zusammen mit der ist er mit dem biblischen Aufruf zur Umkehr und Buße unmittelbar verbunden: „Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,15) und „Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst“ (vgl. Gen 3,19). Die Menschen sollen an diesem Tag besonders daran erinnert werden, dass sie und alles Weltliche dem göttlichen und natürlichen Gesetz unterstellt und naturbedingt vergänglich sind – Gott und Seine Zuneigung zum Menschen jedoch nicht. Die ist ein wahres Geschenk, Zeit der ultimativen Besinnung und Konzentration auf das eigene Leben mit Gott. Im Zentrum unserer fastenzeitlichen Reflexionen sollen sich folgende Überlegungen unbedingt befinden: Wo stehe ich?

Was muss ich ändern, verbessern, wiedergutmachen? Der mit dem Karfreitag sind zwei gebotene strenge Fasten- und Abstinenztage im Jahr, wo alle gläubigen Katholiken besonders angehalten werden, diese in Verzicht/Fasten und intensivem Gebet zu verbringen. Fasten, Gebet und auch Almosen sollen den Menschen in der Gott, seinem Nächsten und auch sich selbst – seiner wahren und wirklich guten Berufung im Leben – näherbringen. Zu bemerken ist auch, dass die Sonntage nicht als Fastentage gelten und aus der Berechnung der Anzahl der Tage der immer ausgenommen werden. Somit ergibt sich genau die Zahl der 40 Tage zwischen und Ostersonntag. Diese Zahl ist übrigens biblisch und hat eine große Bedeutung und Symbolkraft. Beispielsweise: Es gab 40 Tage Sintflut, 40 Jahre Auszug aus Ägypten, 40 Tage Umkehrzeit für die Stadt Nínive und 40 Tage Fasten Jesu Christi in der Wüste. Aber es gilt auch: Darstellung des Herrn im Tempel ist 40 Tage nach Seiner Geburt in Betlehem und Christi Himmelfahrt 40 Tage nach Seiner Auferstehung.

Den Gläubigen wird am ein Aschenkreuz auf die Stirn gezeichnet. Was bedeutet dieses Zeichen genau und wie ist das gerade in Zeiten von Corona?

Die am verwendete Asche wird normalerweise aus den verbrannten Resten der Palmzweige des vergangenen Jahres gewonnen. Asche ist ein Bild für Vergänglichkeit und ein sehr deutliches Zeichen für Trauer und Buße. Tradition, sich das Haupt mit Asche zu bestreuen ist vorchristlich und galt bereits bei den Israeliten – aber auch bei Ägyptern, Arabern und Griechen – als Ausdruck der Klage. In der katholischen Kirche hat sich das Zeichnen des Aschenkreuzes auf die Stirn mit der Zeit etabliert. Die aktuellen Vorgaben unseres Erzbistums in der „Corona“-Zeit sagen, dass der Spruch zum Austeilen des Aschenkreuzes: „Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst“ (vgl. Gen 3,19) diesmal lediglich allgemein und einmal laut ausgesprochen werden soll. Um zusätzlich den allgemeinen -Schutzmaßnahmen zu entsprechen werde ich die Asche meinen Gläubigen in Form eines Kreuzes kontaktlos über dem Haupt streuen. Ich sehe diese Form (neben Sicherheitsmaßnahme) auch als eine sehr schöne Anknüpfung an die biblische und früher bereits praktizierte Tradition.

Mit der ist das Thema „Verzicht“ unmittelbar verbunden. Warum fällt es aber Menschen in der heutigen Zeit so schwer zu verzichten?

Verzicht bringt in der allgemeinen Vorstellung des Menschen immer etwas Negatives mit sich. Wenn wir uns zum Beispiel an Wohlstand gewöhnt haben, fällt uns schwer auf etwas zu verzichten – vor allem dann, wenn wir im Verzicht überhaupt keinen Sinn erkennen. Dazu kommt noch, dass die heutige Gesellschaft den Glauben, Gott und die Religion verstärkt ablehnt. Wenn ein Mensch aber nicht religiös ist, an Gott nicht glaubt, dann ist es schwer für ihn, Verzicht als ein wahres Gut anzunehmen – weil er nicht imstande ist, ihn religiös zu erfassen. Verzicht macht aber sehr großen Sinn, wenn man im Glauben fest verwurzelt ist.

Warum ist Verzicht in unserer Zeit und für unsere Gesellschaft wichtig?

Verzicht ist etwas sehr Wichtiges und Schönes zugleich. Verzicht ist überhaupt kein Selbstzweck, sondern hat immer eine direkte und barmherzige Zuwendung dem Nächsten gegenüber im Blick. Verzicht kann mich reinigen, mich näher meinem Gott und den Menschen bringen. Richtig erfasst, kann der Verzicht uns Augen öffnen auf die Nöte und Bedürfnisse anderer. Wenn wir, indem wir verzichten, unsere eigenen Bedürfnisse hinter die Bedürfnisse der Notleidenden stellen, kann dies als echtes, gutes Bußwerk für unser Leben verstanden werden. Verzicht mindert grundsätzlich unseren eigenen Egoismus und Egozentrismus. Da geben wir unsere Selbstgefälligkeit auf und wenden uns Anderen zu. Es ist aber falsch, Bußwerk lediglich auf Verzicht zu reduzieren. Dazu gehört noch viel mehr, zum Beispiel die Wiedergutmachung. Die Kirche nennt die folgenden fünf Schritte einer wirklich guten, erfolgreichen Buße: Besinnen, Bereuen, Bekennen, Büßen und Bessern (die so genannten 5 B’s). Die Essenz der kann somit in drei folgenden Begriffen zusammengefasst werden: Buße tun (bewusst werden seiner Schuld und umkehren), Fasten (Geist und Leib reinigen, frei machen und öffnen) und Almosen geben (Gegenwert dessen, auf was ich verzichte, meinen Nächsten opfern). Darüber hinaus stärkt der Verzicht uns im Glauben, führt dazu, dass wir uns selbst tiefer erkennen und gestärkt sind auf dem Weg zur Vollkommenheit, zu einer besseren Welt und Gesellschaft, gestärkt sind auf unserem Weg hin zu Erkenntnis Gottes und Seines guten Plans für unsere Welt.

Wie kann man die ganz persönlich ausgestalten?

Ich werde diese des Jahres 2021 in Stille und Reflexion verbringen. Ich will mein Gebet intensivieren und mich der Lektüre der Heiligen Schrift und frommen Literatur widmen, um dadurch Gott näher zu kommen. Das Thema „Fasten und Almosen“ möchte ich besonders in diesem Jahr vor Augen haben, um diese auch im Alltag praktizieren zu können. Als Priester möchte ich in dieser Zeit besonders für die Menschen da sein, die mir Gott auf meinen Weg stellt, ihnen ein Stück meines Herzens, meiner Selbst geben – es versuchen, mich ihnen sozusagen zu verschenken. Und ganz besonders: Mit ihnen von Herz zu Herz zu kommunizieren. Das zweite Mal in der Reihe ist die durch sehr gezeichnet. Menschen brauchen klare Wegweiser, Perspektiven und vor allem Hoffnungszeichen für ihr Leben und ihre Zukunft. Ich möchte, dass meine Gläubigen spüren und wissen, dass Gott für sie da ist und sie begleitet – komme, was es wolle. Genau das möchte ich sehr ihnen allen in dieser Zeit vermitteln.

Meine Kindheits- und Jugenderfahrungen und was sich verändert hat…

Als Kinder haben wir gelernt, durch äußere Dinge – wie Verzicht auf Süßigkeiten und Fleisch – zu fasten. Als Jugendlicher kam noch Verzicht auf laute Musik und Diskothek dazu. Mit der Zeit verstand ich immer mehr, worauf es da aber wirklich ankommt: Dass die inneren, geistigen und geistlichen Veränderungen eine weit viel größere Rolle spielen sollen. Aber ich muss auch im Gegensatz zu heute feststellen: Früher hat man alles viel ernster genommen. Fasten und Verzicht (zum Beispiel das Freitagsfastengebot im Jahr) waren feste Bestandteile des gesellschaftlichen Lebens und besaßen eine wirklich breite gesellschaftliche Gültigkeit. Es stand nicht zu Diskussion, dass es in der und im Advent keine Disko gibt. Heute herrscht da eine allgemeine Beliebigkeit, vielleicht sogar Relativität. erscheint völlig losgekoppelt vom gesellschaftlichen Leben, nur etwa als Anhängsel und nur etwas für die Wenigen. Das ist jedoch ein absolutes Trugbild des Ganzen! Fastenzeiten sind in Wirklichkeit sehr bereichernd für den Menschen und stärken die Gesellschaft, weil wir alle durch Fasten lernen, uns selbst zu kontrollieren und für die anderen zu öffnen. Daher ist es heute sehr wichtig für alle Gläubigen, dass sie die wirklich als besondere, geprägte Zeit im religiösen Sinne für sich und ihr Leben (wieder) entdecken und gewinnen und dies auch anderen Menschen – der Gesellschaft – sehr deutlich vermitteln. Die Fastenzeit ist für mich persönlich zu einem Geschenk, zu einer wahren Zeit der Besinnung und der Gnade geworden. Die Reflexion des eigenen Lebens kann und soll doch gute Früchte hervorbringen…

Unser Leben besteht oft aus großen Enttäuschungen und harten Verletzungen. Die erlaubt mir auf eine sanfte Art meine eigenen Schwächen zu erkennen, gute Wege zu suchen mit eigener Schuld umzugehen und meine Beziehungen zu anderen Menschen in anderem Lichte zu sehen. Dann erkenne ich, dass Rache und Vergeltung keine gute Art sind, auf die Attacken anderer zu antworten. Dagegen können Gebet, Liebe und Barmherzigkeit selbst die größten Gräben überwinden und haben noch die Macht, die Menschen und ihre Herzen auf wunderbare Art zu verwandeln.

Das Angebot für die in unseren Pfarreien Nankendorf, und

Das Angebot streckt sich zunächst auf die Fülle der fastenzeitlichen Gottesdienste aus: Heilige Messen, Kreuzwegandachten, Fasten- und Bußandachten, Gebet des schmerzhaften Rosenkranzes. Das Geheimnis des Kreuzes steht dabei immer im Mittelpunkt: Kreuz, auf dem unser Herr Jesus Christus litt und starb und Kreuz, auf dem durch Jesus Christus die Welt erlöst wurde und gewann.

Als Zeichen dafür befindet sich in unseren Kirchen ein schönes, großes Kreuz unseres Seelsorgebereichs (Fränkische Schweiz Nord). Die Fastenpredigten, Ansprachen und die „Impulse auf den Weg“ für die Gläubigen am Ende der Heiligen Messen sollen diese Botschaft des Kreuzes in dieser besonders vermitteln. Mein großes Anliegen ist die Wiederentdeckung durch die Gläubigen des Sakraments der Buße und des Geschenks der Vergebung Gottes. Dazu habe ich das Beichtangebot in unseren Pfarreien bereits massiv ausgeweitet. Ich empfehle allen Christen ganz dringend, diese 2021 als Zeit der Versöhnung mit Gott und den Menschen zu nutzen. Ich bin davon überzeugt, dass neben der verbesserten Gottes- und Menschenbeziehung dadurch auch das eigene Wohlbefinden, die Psychohygiene, Zufriedenheit und im Endeffekt auch die Lebensqualität enorm steigen würden. Durch die besondere Erschwernis der -Pandemie sank der Kirchenbesuch im Allgemeinen.

Nach wie vor gilt auch Dispens von der Sonntagspflicht von unseren Bischöfen. Gerade aus diesem Grund geht es verstärkt in dieser darum, das Gebet und das gläubige Leben aus eigener Verantwortung und Initiative zu gestalten und zu pflegen. Die Gläubigen werden von mir dazu animiert, selber verstärkt aktiv zu werden: Betrachtungen, Gebete, Kreuzwegandachten zu Hause und in ihren Familien zu verrichten und den Rosenkranz meditativ so oft wie möglich zu beten. Eine klare Empfehlung von mir ist die Lektüre der Heiligen Schrift und frommen Literatur (für diese vor allem der Visionen von Anna Katharina Emmerich über das Leiden Jesu, zusammengeschrieben von Clemens Brentano). Radio Horeb und katholische TVSender wie K-TV und EWTN bieten ein reiches Angebot an interessanten Gebets- und Bildungseinheiten. Ich würde meinen Gläubigen und jedem Interessierten sehr, wirklich  s e h r  empfehlen, als Vorbereitung auf Ostern 2021 die Geschichte und das Geheimnis der so genannten drei Grabtücher Christi im Internet zu erkunden: Des „Volto Santo von Manoppello“, des „Grabtuches von Turin“ und des „Santo Sudario von Oviedo“ und zwar am besten durch höchstinteressante und fundierte Sendungen und Vorträge von Schwester Petra-Maria Steiner von der Gemeinschaft Vita Communis und von Paul Badde.

Gestaltete Faltblätter, wie dieses, sind vor allem ein inhaltliches Angebot von mir für all diejenigen, die in die Kirche leider nicht mehr kommen: Die Älteren, Kranken und Bedürftigen, aber auch für die, die sich von ihr entfernt haben. In der Advents- und wurden die Fenster meines Pfarrhauses in abends und früh mit Lichterketten von mir beleuchtet – als Zeichen der Erwartung auf die Ankunft des Herrn und der Freude über Seine Ankunft und als Hoffnungszeichen in dieser Zeit und Welt. Vielleicht lasse ich mir noch etwas Ähnliches für die und Osterzeit einfallen? Ich möchte, dass alle Waischenfelder, Nankendorfer und Hochstahler wissen, dass ihr Pfarrvikar für sie da ist!

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