Weihnachtsgruß 2021 von Pfarrvikar Dominik Syga

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Freunde,

das von der Christenheit lang ersehnte Weihnachtsfest steht unmittelbar vor der Tür, das Jahr 2021 neigt sich dem Ende zu und wir schauen erwartend, was das Neue Jahr uns bringen wird. So leben wir, Menschen, stets auf der Hut, vorausschauend, voraussagend, vorausplanend. Ein Mönch sagte mal in einer uns überlieferten Weisheit:

„So lebst Du also, Mensch. Wenn Du stehst, dann läufst Du schon; wenn Du gehst, dann bist Du bereits angekommen; wenn Du sprichst, dann antwortest Du; wenn Du schaust, dann vergleichst Du alles mit allem; wenn Du hörst, dann überlegst Du Dir erneut wieder Fragen; wenn Du arbeitest, dann sorgst Du Dich ängstlich und wenn Du betest, dann bist Du schon von Gott weit, weit weg“.

, mit der wir schon zwei Jahre lang miteinander leben, hat Vieles von uns abverlangt. Auch unser Vorausschauen hat sie uns etwas weggenommen, denn wir sind nicht mehr imstande unser Morgen ohne sie zu planen. Sie hält uns im Hier-und-jetzt gefangen und lässt uns einfach nicht los. Gleichzeitig aber hat sie uns alle gezwungen von Dingen und voneinander auf Distanz zu gehen. Distanz, Abstand und Ferne wecken in uns keine positiven Gefühle, schließlich bergen sie trennende Dimensionen in sich. Die Ferne kann jedoch auch positive Eigenschaften enthalten und entfalten, je nach dem, aus welcher Perspektive man diese betrachtet. In dem Wort Betrachtung ist der Schlüssel zu der ganzen Sache verborgen.

Zu dieser Jahreszeit wollen wir einen gemeinsamen Blick auf das nun zu Ende gehende Jahr 2021 werfen und die vielen schönen Dinge betrachten, die uns Gläubige in und um , Nankendorf und beschäftigten und die uns miteinander verbinden. Auch wenn verschiedene Erinnerungen uns bereits sehr fern erscheinen mögen, weil wir vielleicht schon mit ganz neuen Dingen beschäftigt sind. Ganz besonders möchte ich an dieser Stelle den treuen Dienst aller unserer Ehrenamtlichen in diesem Jahr erwähnen und hervorheben, ohne die das kirchliche Leben unserer in diesem Umfang nicht möglich wäre. Ihr Engagement ermöglichte so Vieles und Schönes – ihnen gebührt mein und unser aller Dank. Gott selbst möge ihnen ihre Zeit und Mühe reichlich vergelten, die sie zum Wohle der Kirche und von uns allen eingesetzt haben und sie für die Früchte ihrer Arbeit reichlich segnen!

Mitte 80er Jahre wurde in Amerika ein Lied geschrieben und zu Beginn der 90er durch die amerikanische Sängerin Bette Midler weltweit berühmt gemacht. „From a distance“ („Aus der Ferne“) * ist ein wunderbares Lied, welches auf einfache, aber sehr beeindruckende und tief zu Herzen gehende Art und Weise den Unterschied beschreibt, wie Dinge in und um uns zu sein scheinen und wie sie wirklich sind – aus der Ferne betrachtet. Da ist die Welt voller Farben und die Schöpfung voller Bewegung, erfüllt von Stimmen der Harmonie, der Hoffnung und des Friedens. Da wird eine Welt geschildert ohne Armut, ohne Gewalt, ohne Krankheiten oder Hunger. In dieser Welt – aus der Ferne betrachtet – ist der Mensch dem Menschen kein Wolf, sondern selbstverständlich ein Freund. Die Menschen werden in diesem Lied mit Instrumenten verglichen, die gemeinsam in einer Band die Lieder von Hoffnung und spielen, Lieder eines jeden Menschen dieser unserer Welt. Und über allem und jedem wacht ein lieber und immanenter Gott, der zwar aus der Ferne schaut, der aber jedem Menschen doch so nahe und spürbar ist.

Ist das nicht die Botschaft von Weihnachten? Wiederspiegeln die Worte dieses Liedes nicht unsere tiefsten Wünsche und Begehren in dieser Zeit, voller Unheil, Gegensätze und Distanz? Vielleicht lernen wir dann, wenn wir die Botschaft dieses Liedes verinnerlichen, dass Dinge – aus der Ferne betrachtet – plötzlich ganz anders erscheinen können, als wir es gewohnt sind sie anzuschauen. Vielleicht erscheint mir dann mein Nächster doch als Freund, auch wenn ich mit ihm auf Kriegsfuß bin. Wenn dies der Fall wird, dann hat die Ferne eine positive Eigenschaft für uns gewonnen und eine anziehende Wirkung auf mich und andere Menschen entfaltet, indem sie uns alle näherbringt. Das ist das Wunder von Weihnachten.

Immer, wenn ich das Lied „From a distance“ höre, erfüllt mich das Gefühl von Dankbarkeit für jedes kleine Ding, jeden Moment und Menschen, die mir geschenkt wurden. Ich danke nun Gott für Sie alle, die Er mir geschenkt hat. Ich danke für Ihren unermüdlichen Glauben und Ihr immerwährendes Gebet, für Ihren Einsatz und Ihr Engagement in diesem Jahr 2021, damit das Reich Gottes hier bei uns in Waischenfeld, Nankendorf und Hochstahl in dieser unserer Welt, deutlich spürbarer wird. Werden wir immer dankbar für alles was wir haben, für jeden Menschen, für jeden Moment unseres Lebens.

Ich wünsche Ihnen, dass die Lieder vom Frieden, von Hoffnung und Liebe in Ihren Herzen zu dieser weihnachtlichen Zeit laut erklingen und dass der Segen unseres Herrn Jesus Christus, der in Ihren Herzen zu diesem Fest neugeboren wird, Ihr ganzes Wesen und Ihr ganzes Leben erfüllt.

Ein fröhliches Weihnachtsfest und ein glückseliges Neues Jahr

– Ihnen und Ihren Familien!

Ihr Pfarrvikar

Waischenfeld, Nankendorf und Hochstahl zur 2021

Titel-Abb.: Photo by Joanna Kosinska on Unsplash

Aus der Ferne…

Aus der Ferne sieht die Welt aus blau und grün
und die schneebedeckten Berge weiß.
Aus der Ferne trifft das Meer auf den Strom
und der Adler erhebt sich zum Flug.

Aus der Ferne herrscht Harmonie
und es hallt durch das Land.
Es ist die Stimme der Hoffnung, Stimme des Friedens
– es ist die Stimme eines jeden Menschen.

Aus der Ferne haben wir alle genug
und niemand ist in Not.
Und es gibt keine Waffen, Bomben und keine Krankheit,
keine hungrigen Münder zu füttern.

Aus der Ferne sind wir Instrumente,
marschieren in einer gemeinsamen Band,
spielen Lieder der Hoffnung, Lieder des Friedens.
Sie sind die Lieder eines jeden Menschen.

Gott schaut uns zu. Gott schaut uns zu.
Gott schaut uns zu – aus der Ferne.

Aus der Ferne siehst du aus wie mein Freund,
obwohl wir uns im Krieg befinden.
Aus der Ferne kann ich es einfach nicht begreifen
wozu alle diese Kämpfe sind.

Aus der Ferne herrscht Harmonie
und es hallt durch das Land.
Und es ist die Hoffnung aller Hoffnungen, die Liebe aller Lieben – es ist das Herz eines jeden Menschen.
Es ist die Hoffnung aller Hoffnungen, die Liebe aller Lieben. Dies ist das Lied eines jeden Menschen!

Und Gott schaut uns zu. Gott schaut uns zu.
Gott schaut uns zu – aus der Ferne.

Ja, Gott schaut uns zu, Gott schaut zu.
Gott schaut uns zu – aus der Ferne…

(Übersetzung: Dominik Syga, 2021)

From a distance…

From a distance the world looks blue and green,
and the snow-capped mountains white.
From a distance the ocean meets the stream,
and the eagle takes to flight.

From a distance, there is harmony,
and it echoes through the land.
It’s the voice of hope, it’s the voice of peace
– it’s the voice of every man.

From a distance we all have enough,
and no one is in need.
And there are no guns, no bombs, and no disease,
no hungry mouths to feed.

From a distance we are instruments
marching in a common band.
Playing songs of hope, playing songs of peace.
They’re the songs of every man.

God is watching us. God is watching us.
God is watching us – from a distance.

From a distance you look like my friend,
even though we are at war.
From a distance I just cannot comprehend
what all this fighting is for.

From a distance there is harmony,
and it echoes through the land.
And it’s the hope of hopes, it’s the love of loves,
– it’s the heart of every man.

It’s the hope of hopes, it’s the love of loves.
This is the song of every man!

And God is watching us. God is watching us.
God is watching us – from a distance.

Oh, God is watching us, God is watching.
God is watching us – from a distance…

(Text: Julie Gold, 1985)

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  1. Ein sehr schöner und informativer Artikel, Johannes. Es ist toll, dass du unsere Pfarrgemeinde und unsere Leser stets auf dem…

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